BSC Artist Press Review: Zinkl

Thorsten Gürntke , Progressive Pages, Germany, 9/99:

Anton Zinkl ist Solokünstler und dies ist sein zweites Werk. Zinkls Musik zu beschreiben ist nicht leicht, und Prog ist es auch nicht wirklich. Elektronisch ist alles – ausgenommen von Zinkl selbst und dem Gesang: Den gibts nämlich gar nicht! Elektronische Beats paaren sich mit tollen Keyboard- und Synthesizer-Melodien. Immer wieder fällt mir der Vergleich zu Tangerine Dream ein. Und das, obwohl Zinkl anders klingt und nie mit denen in einen Topf passen würde... Das zeigt, welche Eigenständigkeit Zinkl-Sounds haben. Zinkl läßt sich nix vorschreiben. Ich finde einige Arrangements wirklich total interessant. Diese Melodien in "Dark Hope" zum Beispiel rechtfertigen den Kauf dieser CD schon. Klasse. Oder diese musikalischen Zwischenspiele. Hört euch nur den Anfang von "Jekyll & Hyde" an. Köstlich. Das Ganze toppen kann jedoch der 24 Minüter (!!!) "Epos". Spannungen werden erzeugt. Mit Minarettklängen wird gearbeitet. Dazu gibts lustige, verfälschte Xylophonspielereien. Ja, das kommt gut. Das Grundthema des Songs taucht immer wieder total verfälscht auf! Das klingt toll. Und wird nicht langweilig. Trotzdem sei hier nochmal gewarnt. Zinkl ist kein Prog. Jedenfalls nicht, was alle darunter verstehen. Denn eigentlich ist er's doch. Hab ich nun alle verwirrt? Ich weiß nicht ob ihr Zinkl mögt. Entscheidend ist dafür lediglich eure Offenheit für Fremdes! Hört mal rein!

Werner Wachtarczyk, Progressive Corner, Switzerland, 9/99
Zinkls lieblichen Kreaturen der Nacht:

Ich kann's nicht lassen, hatte ich doch eigentlich im Sinn, nur Zinkls neue Scheibe zu rezensieren, nun habe ich mich trotzdem dazu entschlossen auch das 95er Album hier vorzustellen. Dazu bewegt hat mich folgendes, "Circus Maximus" gefällt mir von Mal zu Mal besser, (Anton hat's mir prophezeit) "Lovely Night Creatures" dagegen blieb lange unberührt und ungehört im CD Regal stehen, bis ich das 95er Teil doch endlich in das dafür vorgesehene Schubfach befördert habe. Nun, einigermassen ist mir der Zinkl-Stil unterdessen bekannt, darum auch etwas einfacher, sich in dieses Werk reinzudenken. Trotzdem ist es wiederum fast unmöglich jedes Teil zu beschreiben. Fangen wir ganz von vorne an, die Lovely Night Creatures sind Antons hilfreiche Keyboard Kreaturen, die Ihm eben in der Nacht eine ganze Palette von Tönen zur Verfügung stellten. Das CD Cover ist nicht ein Selbstbildnis Zinkls, seine damals sechsjährige Tochter hat Ihm freundlicherweise diese Zeichnungen zur Verfügung gestellt. Ich nehme mal stark an, das der Anton kein Gesangstalent ist, verlässt er sich auch hier auf seine elektronischen Kenntnisse. Diese sagen aber teilweise mehr aus als tausend Worte.

Angefangen wird mit dem wohlbekannten Weihnachtslied von Rudolf Schock, "Es ist ein Ros entsprungen" volle 5 Sekunden, eine kurze Billy Idol Einlage, weiter geht es Marke Mike Oldfield, etwas Schlagzeug a la Phil Collins usw. usw., das innerhalb von weniger als 2 Minuten, und alles auf elektronischer Basis. "Dark Hope", das ist ein brilliantes Teil, was da gezaubert wird, eine reine Orgie der Gefühle, der Song wird seinem Titel voll gerecht. Oder das kurze "Jekyll & Hyde", ein wenig wahnwitzig, eben wie Jekyll & Hyde! Ein klassisches Piano Concert von 19 Sekunden, soll mal einer nachmachen!! Als krasses Gegenstück wartet Zinkl mit einem 24 Minuten Knaller Namens "Epos" auf!!! Knaller nicht in dem Sinne, dass es hier nach Strich und Faden rummst, die vielen Effekte und Passagen lassen das Teil zu diesem werden. Anton Zinkl wollte mit diesem Song im Stile von Supper's Ready ein wirklich langes Teil machen, wobei die zentrale Melodie immer wieder in modifizierter Form wiederzufinden ist. "Epos" wird sanft eingeleitet. Xylophonmässig klöppelt sich sich der Track stärker empor, diese Töne sind vom Anfang bis zum Ende präsent, der Schluss wird dann sehr energiegeladen. Zwischendrin hšre ich den waschechten melanchonischen "Alice in Changes" Stil heraus. Keine einfache Sache für den Hörer, es braucht dann auch eine gewisse Zeit, bis man "Epos" mit Haut und Haaren aufnehmen kann. Mit "Flagg's Hoofdance" setzt Anton sich dann zum Schluss selbst die Krone auf. Wie der Song entstanden ist, hier die kurze Story dazu von Anton: "In einem MŸnchner Biergarten steht ein kleiner Esel, auf dem Kinder reiten können und welcher eine fröhliche Melodie ausspuckt. Ich habe mir diese melodiösen Töne gemerkt und zentral in "Flagg's Hoofdance" eingebaut. Da ich ein ziemlicher Grobian bin, war melodisch alleine nicht genug, auf dem Stück mussten unbedingt ein wilder Haufen von Zusatzteilchen, der totale Gegensatz zu dieser freundlichen Melodie."

Ich muss zugeben, selten so ein faszinierendes Stück Musik gehört zu haben, echt Klasse!! Fazit: "Lovely Night Creatures" ist wie das 99er Teil nicht das proggig rockige Album, erwähnenswert ist es aber gleichermassen. Faszination, Ideenreichtum und das Schräge, das macht Zinkl aus. Wie hat der Thorsten von den Progressive Pages es auf den Punkt gebracht, er ist progressive, aber auf seine Art und Weise, und da muss ich Ihm vollkommen recht geben. Empfehlenswert ist Zinkl auf alle Fälle, sei es "Lovely Night Creatures" oder "Circus Maximus" , denn der Stil ist einmalig, nicht kopiert und an Eigenständigkeit nicht zu überbieten.

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