BSC Artist Press Reviews: Delago

Keyboards, Germany - June 2000
CD des Monats

Mit "Didge Goes World" (siehe Keyborads 5/97) und "Gado Gado" (1998) hat uns der Tiroler Multiinstrumentalist Hermann Delago bereits zwei Alben beschert, auf die wie auf wenig andere das inflationär – und meist zu Unrecht – gebrauchte Etikett "World Music" passte; Mit Hilfe elektronischer und "natürlicher" Klangerzeuger, nicht zuletzt einer Vielzahl exotischer Percussion-Instrumente hatte der an der Innsbrucker Musikhochschule ausgebildete Ex-Gymnasiallehrer, Kapellmeister und Bandleader (Combo Delago) perfekte Synthesen aus Minimal Music, elektronischer Sinfonik und "ethnischer", vorzugsweise australischer und indonesischer Folklore gezaubert. Trotz dieser herausragenden Arbeiten indes konnte man auf ein Überwerk wie "Trance Alpin" nicht wirklich gefasst sein. Denn was Delago hier vorlegt, sucht seinesgleichen: ein so organisches Crossover aus alpenländischen, australischen, afrikanischen und asiatischen Klängen, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Wie selbstverständlich verbinden sich da auf der Basis von Minimal-Patterns und Trance-Rhythmen teils synthetische, teils gesampelte Sounds mit dem so rustikalen wie kunstvollen Gebläse von 19 Mitgliedern der "Brass Connection Tirol" und der "Haller Stadtpfeifer" sowie alpinen Gesängen (Tipp: Track 5, "Alperidoo-Hey-Yo", ein indonesisches Volkslied mit Jodlern – unglaublich!). Höhepunkt ist fraglos die gut elfminütige "Aquasonic Brass Fantasy" (Track 2): ein Rainmaker rauscht, ein Glockenspiel klingelt; Delago entlockt zwei Didgeridoos, einem Alp- und einem Muschelhorn sonore Timbres; ein Synthi simuliert das Geräusch tropfenden Wassers; und dazu blasen sage und schreibe 46 Musikanten ins Blech oder lassen Instrumente ertönen wie Weingläser, Bierflaschen, Gartenschläuche, Waschbrett, Xylophon, Shaker, Talking Drums, Rainsticks und und...
Philip Glass und Steve Reich treffen auf die Pink Floyd der "Atom Heart Mother"-Phase; und wer genau hinhört, entdeckt ein geschickt eingebettetes Zitat aus Händels "Wassermusik". Kurz und gut: "Trance-Alpin" ist das Konzeptwerk, das Mike Oldfield möglicherweise gemacht hätte, wäre ihm nicht nach "Ommadawn" die kreative Puste ausgegangen. Phänomenal.

WOM-Journal, Germany - May 2000

Exotik ist eine Frage des Blickwinkels: Der Tiroler Multiinstrumentalist und Didgeridoo-Liebhaber Delago offenbart auf seinem Album "Trance Alpin" eine weltmusikalische Vision, bei der sein Umgang mit der Überlieferung aus dem Alpenraum verblüfft. Äußerst einfallsreich im Einsatz des umfangreichen Instrumentariums vom Alphorn bis zum Sythie, dabei auf vordergründige Effekte konsequent verzichtend, kombiniert der eingefleischte Globetrotter Blechbläser-Arrangements mit Percussion-Grooves aus Asien, Australien, Afrika und Amerika; deutet schon mal eine Oberländer-Volksweise nach seinem Gusto kosmopolitisch um und stellt überhaupt Klänge in ganz neue Zusammenhänge. Damit ruft Delago vielfältige Stimmungen, von meditativ bis äußerst munter, hervor. Das ist so unterhaltsam, dass man zunächst überhört, wie viel Seele und Tiefe in dieser ungewöhnlichen Musik stecken.

InMusic, Germany - May 2000

Was haben unterschiedlich gefüllte Gläser, Gartenschläuche mit Trompetenaufsatz, Haushaltstrichter, Muscheln, Alphörner und Didgeridoos gemeinsam? Auf den ersten Blick erstmal gar nichts, kommt dann allerdings der Tiroler Multiinstrumentalist Hermann Delago ins Spiel, fügt sich das Ganze wie ein musikalisches Mosaik zusammen. Wie bereits auf Vorgängeralben wie "Didge Goes World" oder "Gado Gado" versucht der Kosmopolit in Sachen Musik Brücken zu schlagen zwischen den verschiedenen Kulturen Afrikas, Asiens und Amerikas. Hierbei bedient sich Delago verschiedenster Klangornamente, die er rund um den Globus gesammelt hat und einer ganzen Wagenladung, oft selbstgebastelter Instrumente. Diesmal stehen das Didgeridoo der australischen Ureinwohner und das Alphorn seiner Tiroler Heimat im Vordergrund der Arbeit. Delago entführt uns in eine Welt der flächigen Melodieläufe und trancigen Jodler, wo die verschneiten Gipfel der Alpen auf das staubtrockene Outback Australiens treffen. (UB) *****

Schellackgeschrei, Germany, May 2000

Ein außergewöhnliches Unterfangen geht der Tiroler Multiinstrumentalist Hermann Delago auf seinem dritten Album "Trance Alpin" ein. Außergewöhnlich wie auch mutig. Wenn es das kosmopolitischte Album der letzten Monate an sich gibt, dann ist es mit Sicherheit "Trance Alpin". Hier wird zum ersten Mal alpenländische Musik (inkl. Alphorn und Jodlern) mit afrikanischer, asiatischer und australischer Folklore (Delago's Hauptinstrument ist und bleibt das Didgeridoo) verknüpft und diese eigentlich nicht zu vereinbarende Mischung (Jodeln und Alphorn stehen eigentlich als Synonym biederen Konservatismus) geht auf "Trance Alpin" durchaus im positiven auf. Zentrales Stück des Albums ist unumstritten das elfminütige "Aquasonic Brass Fantasy", in dem Delago neben verschiedenen Didges auch ein Kanalrohr (!) bläst und von 46 Musikern unterstützt wird, die neben herkömmlichen Instrumenten auch andere Werkzeuge zur Klangerzeugung wie gefüllte Gläser, Bierflaschen, verschieden lange Gartenschläuche oder Muscheln verwenden. "Aquasonic Brass Fantasy" steht ganz in der Tradition von Mike Oldfields Tubular Bells, wobei der Trance-Aspekt hier unumstritten am stärksten zu Tage tritt. "A Crazy Brass Didget" ist wahrhaft crazy. Delago intoniert hier zusammen mit den Haller Stadtpfeifern das alleits bekannte "Herzilein", "Alam Indah" verknüpft ein indoneisches Volkslied mit Tiroler Stimmungsbildern und "Alpin Fanfare M.O.F.F." ist eine Bearbeitung der Volksmelodie "Miar Ob'rländer felsafescht" (immerhin steht Delago der Stadtkapelle Landeck-Perjen als Kapellmeister vor). Dass die Titel aller Tracks mit A beginnen, kommt nicht von ungefähr. Schliesslich ist dieser Buchstabe der erste im Alphabet, von Anfang, Aqua und den Namen des Grossteils der Kontinente. Zugegeben muss man "Trance Alpin" die angemessene Aufmerksamkeit aufbringen, es ist kein Werk zum nebenbei laufen lassen, aber bei genügend Einblick in die wundersame Welt von Delago entfaltet sich schon bald die dem Werk zugedachte Wirkung.

Adam, Germany - May 2000

Die Premiere fand am 15. April mit 140 Musikern in einer Seitenhöhle des Arlbergtunnels statt. Der Tiroler Hermann Delago verschmolz auf seinem Album alpenländische Musik mit asiatischer Folklore. Selten wurde Natur so elektrisierend hörbar gemacht. Kirchenglocken, Alphörner, Digeridoos, Jodler, Bläserquintette und Keyboards erzeugen Harmonien zum Niederknien. Mega-Tip des Monats! (HJH)

Wochenblatt, Zweibrücken, Germany - March 2000

"Trance Alpin" (BSC/Zomba) will der Tiroler Multiinstrumentalist Delago als eine musikalische Innenschau verstanden wissen.. Trance, der schlafähnliche Bewußtseinszustand, der für innere Reize empfänglich macht, ist dann auch das zentrale Thema der CD, auf der Delago faszinierende Klanggebilde kreiert, für die er auf ganz ungewöhnliche Instrumenten - Kombinationen zurückgreift und Brücken zwischen den unterschiedlichsten Kulturen baut.

Schalldruck, März 2000:

Nanu, was ist denn das? EM mit Alpenjodler - ja, sind wir denn hier im Musikantenstadl? - Nein, mit Nichten! - Wir sind immer noch bei Schallwende - dem Verein mit offenen Ohren für Instrumentalmusik aller Art. Mit diesem Album liegt wieder eine "Zwitter-CD" im Player - sie bildet eine Brücke zwischen Heimat- und Ethnoklängen. Genauer: alpenländische Volksmusik verschmilzt mit australisch-asiatischer Folklore. Möglich macht diese Sound-Mixture der Tiroler Multiinstrumentalist Hermann Delago. Er vermischt gekonnt und gewitzt Alphörner mit Didgeridoos, bringt verschieden gefüllte Bierflaschen genau so zum Klingen, wie Gartenschläuche, die mit einem Trompetenmundstück abschließen und bläst auf Muscheln und Haushaltstrichtern.

Delago gewährt uns mit seiner Musik TranceAlpin tiefe Einblicke in sein Innerstes. (Trance = ein schlafähnlicher Bewusstseinszustand, im spiritistisch-schamanischen Sinne erwünscht, macht empfänglich für innere Reize). Ein ganz besonderes Highlight dieser außergewöhnlichen Scheibe ist Track 2: "Aquasonic Brass Fantasy" - zunächst zarte Glöckchenklänge - da hüpft mein Herzchen natürlich wieder ganz besonders ... - dann setzt ein Didgeridoo ein und erzeugt eine etwas mystische Stimmung - unweigerlich spielt sich eine groovige Skiffle-Band in mein Ohr, die das oben erwähnte "Instrumentarium" bestens beherrscht. Dieser Musik-Part erinnert mich stark an das Meisterwerk "Koyanisquaatsi" von Philipp Glass. Toll gemacht, küss die Hand, Hermanndl! Wie ich vom äusserst umtriebigen Music-Producer Christoph Bühring-Uhle erfahren habe, wurde dieses außergewöhnliche Stück Note für Note geschrieben. Und genau so wird es auch live präsentiert:

Bei der Aufführung am 15. April spielen über 140 (!!!) Musiker in einer Seitenhöhle des Arlbergtunnels; Österreich-Urlaubern sicherlich bisher ja bestens als Verkehrs-Stau-Platz bekannt und somit eher negativ besetzt. Das wird sich aber ändern! Der Seiteneingang zur Arlberghöhle befindet sich übrigens genau an der Stelle, wo der Transalpin vorbeirauscht. In allen Ecken der Höhle werden Musiker stehen, die bereits spielen, wenn die Besucher eintreten. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Ereignis ein unvergessliches Erlebnis werden wird. Das mit 40 Minuten für mich viel zu kurze Album endet so witzig, wie es begonnen hat. Die "Alpin Fanfare" könnte die neue Hymne fürs momentan ach so geschundene Österreich werden. - Erinnerungen an "In the Mood" werden wach und sind sicherlich beabsichtigt. Der Tiroler Hermann Delago sollte sich mit seinen verschmitzten und manchmal absurd-genialen Ideen mit dem Wiener Robert Wittek zusammen tun, der ebenfalls immer für eine faustdicke musikalische Überraschung gut ist. (Ich erinnere nur an Robis Version der "Internationale", einer ganz und gar nicht rechten Hymne ...) Delagos aussergewöhnliche Music made in Austria, der Heimat von Mozarts Wolferl, ist sicherlich ein Anhören wert und nicht nur einmal ...

Sylvia Sommerfeld

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