BSC Artist Press Reviews: Heinrich Beats The Drum

Logo Stadtmagazin , Germany - May 2000

"Das kenn ich doch! Aber woher nur?" Wer die neue CD von Heinrich Beats The Drum auflegt, ohne zunächst auf die Trackliste zu schauen, wird sich beim ersten Song diese Frage stellen. Die Melodie ist vertraut, aber es klingt trotzdem irgenwie ganz anders. "Baba O'Riley" von "The Who" wurde wohl noch nie so außergewöhnlich und zugleich eingängig gecovert, wie auf dieser CD. Und die Band hält die mit diesem Einstieg anvisierte Qualität locker über die gesamte Spielzeit – auch bei den eigenen Songs. Man merkt, dass eine große Auswahl an Kompositionen für diese Produktion zur Verfügung stand und man sich wirklich das beste herausgepickt hat. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Rock, Pop und Indie bei allen Songs. Hier wird kein Fastfood geboten, sondern mit Liebe zum Detail ans Werk gegangen. Alleine schon das ausgereifte Cover-Artwork spricht für sich. Mit "Teenage Wasteland", ihrer sechsten CD haben die Münchner den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere erreicht. Bleibt zu hoffen, daß auch das verdiente Airplay einsetzt. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut.

Keyboards, 05/2000:

Wer sich an die Modernisierung eines Songmonsters wie "Baba O'Riley" (vom unübertroffenen Who-Album "Who's Next", 1971) macht, ist entweder ein Fall für die Klinik von Professor Übermut oder weiss, dass er sich ein solches Wagnis dank eigener musikalischer Potenz leisten kann. Auf das Münchner Quartett Heinrich Beats The Drum trifft letzteres zu: Sublic (voc, g, kb), Board (b), Frenzy (dr, perc, kb) und Howie (git, kb, prog) fackeln den Townshend-Klassiker in knapp vier Minuten ab, um sich sodann eigenem Material zu widmen. Und das klingt nicht weniger überzeugend; auf der Basis sauber programmierter Beats und samtener Keyboardflächen sorgen knackiges Live-Drumming, schroffe Gitarrenakkorde und ein souveräner Leadvokalist für Spannung. Überzeugend nicht zuletzt, wie HBTD von Jetzt auf Gleich die Gangart zu wechseln verstehen; da wird aus dem als angejazztes Athmospherical angelegten "Emptiness" (Track 4) urplötzlich ein derber Rocksong. Ein unspektakuläres, aber enorm effektives und rundum sympathisches Album.

SZ, München, 05. 05. 2000:

Nun hat er die Trommel also doch wieder hervorgekramt, der Heinrich. Für alle, die ihn vergessen haben: Heinrich ist ein echter, mittlerweile in die Jahre gekommener Münchner. Früher war er schon mal fast so etwas wie ein Popstar, ließ dann aber lange Zeit andere die Schlagzeilen machen. Jetzt schlägt sie wieder zu, jene sympathisch emotionale Pop-Rock-Band, die schon zu Zeiten der deutschen Wende begeisterte mit ihrem getragenen, britisch gefärbten Gitarrensound. Die schon vor INXS gespielt hat oder auf Festivals mit Fury in the Slaughterhouse und Selig. Drei Jahre lang haben Heinrich Beats The Drum an ihrem sechsten Album "Teenage WastelandÓ rumgefieselt. Das Ziel konnte nur sein: Ihr Ende-80er-Pop-Rock sollte den Sprung ins neue Jahrtausend schaffen. Aufwendiger sollte der Sound sein, elektronische Beats waren herzlich willkommen, überhaupt wollte man sich den neuen Trends wie Trance und Trip-Hop öffnen. Nur: In drei Jahren ein ganzes Jahrzehnt aufholen, ohne sich zu verbiegen? Eine Zwickmühle. Der neue Heinrich hat jedenfalls mehr Wert auf Kontinuität als auf Wandel gelegt. Sprich: Die Musik ist die alte, der Sound ist etwas trendiger. Aber keine Revolution. Das zeigte sich auch bei ihrem Konzert im Feierwerk: Zwar schwitzten da nicht wie gewohnt vier, sondern sechs Musiker. Zwar schlichen sich hier und da elektronische Beats, trancige Sphärensynths und hippe Rhythmen in die neuen Lieder ein. Von der Stimmung und der Komposition her blieben die Songs Rocknummern aus den frühen 90ern. Denn daran hat sich nichts geändert: Heinrich BeatsThe Drum verkörpern weiterhin getragene, öffnende Lieder, leicht melancholisch, nichts zum munteren Mitsingen. Aber das konsequent und umwerfend. Nach wie vor. Ob's zeitgemäß ist oder nicht.
- Berndhard Blöchl -

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